Unterstützung der Kinder während und nach einer Trennung

Eine Trennung oder Scheidung ist ein Lösungsversuch einer unbefriedigenden Situation der Erwachsenen und hat immer auch Auswirkungen auf die Kinder. Wie die Kinder damit umgehen hängt vor allem davon ab, wie beide Eltern mit der Situation umgehen. Kinder reagieren fast immer, je nach Alter sehr unterschiedlich, auf eine Trennung. Dies ist eine normale, gesunde Reaktion. Dennoch gibt es viele Dinge, die Sie tun können, um ihr Kind in diesem Prozess positiv zu unterstützen:
- Am besten informieren Sie ihr Kind (je nach Alter) gemeinsam über die geplante Trennung. Auch wenn noch nicht alles klar geregelt ist. Viele Kinder tendieren dazu, bei sich eine (Mit-)schuld zu suchen am Scheitern der Ehe der Eltern, manchmal versuchen Kinder auch, die Ehe der Eltern retten zu wollen. Teilen Sie dem Kind klar mit, dass es die Entscheidung der Erwachsenen ist und dass das Kind diesbezüglich nichts tun kann, um dies zu verhindern.
- Teilen Sie Ihrem Kind auch mit, dass die Trennung nichts ändert an den Gefühlen zu ihrem Kind und dass sie als Eltern oder als Mutter/Vater möchten, dass das Kind weiterhin beide Eltern lieb haben darf und sich nicht zwischen den Eltern entscheiden muss.
- Das Allerwichtigste ist, dass für das Kind der Zugang zu beiden Elternteilen erhalten bleibt. Für das Kind ist es wichtig zu wissen und zu erfahren, dass eine Trennung der Eltern nicht eine Trennung vom Kind bedeutet. Denn Sie trennen sich als Paar, Eltern bleiben Sie weiterhin. Sie können ihr Kind diesbezüglich unterstützen, indem Sie Abmachungen betreffend Betreuung- und Besuchsregelung so rasch als möglich regeln, damit das Kind weiss, wie es weitergeht. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind zum andern Elternteil gehen kann, ohne dass es Angst haben muss, Sie zu verletzen.
- Hören Sie ihrem Kind, trotz eigener Belastung, viel zu und geben Sie dem Kind auch den Raum, auf die Veränderung in der Familie zu reagieren. Es ist normal, dass Kinder nach einer Trennung mit Gefühlen die Trauer, Wut, Niedergeschlagenheit, Verunsicherung, Aggressivität oder Ohnmacht reagieren. Indem Sie versuchen, diese Gefühle des Kindes zu verstehen und auszuhalten unterstützen Sie ihr Kind in der Verarbeitung der Krise. Die meisten Kinder gewöhnen sich mit der Zeit an die neue Situation und können die Krise positiv bewältigen. Wenn Kinder längere Zeit Verhaltensauffälligkeiten zeigen, sollten Sie sich Beratung holen.
- Es lohnt sich, die allfällig negativen Gefühle und Gedanken in Bezug auf den Expartner/die Expartnerin nicht unreflektiert gegenüber dem Kind zu äussern. Zwar können Sie dem Kind mitteilen, wenn Sie traurig oder wütend sind, vermeiden Sie es aber, den andern Elternteil vor dem Kind abzuwerten oder schlecht über ihn/sie zu reden. Die Konflikte sollten unbedingt auf der Ebene der Erwachsenen geklärt werden. Dies kann man einem Kind auch so mitteilen.
Manchmal gelingt es einem Elternteil nicht, sich in einer Trennung entsprechend den oben genannten Regeln zu verhalten. Es lohnt sich, dann Beratung und Unterstützung aufzusuchen. Studien zeigen, dass die allermeisten Kinder eine Trennung der Eltern langfristig gut bewältigen können. Denn nicht die Trennung an sich ist langfristig schädigend für die Kinder, sondern ein anhaltender Konflikt der Eltern. Als Eltern tragen Sie die Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Kinder auch bei einer Trennung, stets gemeinsam.
November 2018, Sonja Fankhauser, frabina
Beratungsstelle für Frauen und Männer in binationalen Beziehungen
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